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Trauer um Bürgermeister i. R. und Ehrenbürger der Stadt Mössingen Hans Auer


Die Stadt Mössingen trauert um ihren früheren Bürgermeister Hans Auer, der kurz vor seinem 81. Geburtstag am vergangenen Samstag, 4. Juli 2020 von uns gegangen ist.
 
Hans Auer, der von 1982 bis 1998 als Bürgermeister die Entwicklung der Stadt Mössingen maßgeblich geprägt und gestaltet hat, wird unvergessen bleiben. Denn er war auch im hohen Alter sehr präsent und allseits geschätzt. Zu drängenden Fragen unserer Zeit äußerte er sich bis zuletzt klar und prägnant. Bei seinen zahlreichen Freunden und Weggefährten hinterlässt er eine große Lücke. Fehlen wird Hans Auer aber auch vielen Bürgerinnen und Bürgern, die seine Amtszeit als Bürgermeister noch aktiv miterlebt haben, genauso wie auch vielen Jüngeren, die ihn bei einem seiner vielen anderen Engagements kennen und schätzen lernen durften. Ein offenes Ohr hatte er für alle – und stets auch eine Anekdote bereit.
 
Hans Auer hat nicht nur die Pflichten seines Berufes erfüllt, sondern hat sich mit weit überdurchschnittlichem Engagement und Einsatz engagiert. Mit viel Herzblut und Bodenständigkeit ist er weniger einem Beruf als vielmehr seiner Berufung gefolgt. Vielleicht auch daher rührt seine ungewöhnliche Vita.
 
1939 in Münsingen geboren, verlor Hans Auer seinen Vater bereits drei Jahre später im 2. Weltkrieg. Schon als Kind half er seinem Großvater, der Bäckermeister in Trailfingen (einem heutigen Stadtteil von Münsingen) war, u.a. beim Ausfahren der Ware. Da war es nur konsequent, dass er 1953 eine Bäckerlehre in einer Münsinger Bäckerei begann.
 
Allerdings merkte er schon nach der sehr guten Gesellenprüfung als Bäcker im April 1956, dass er diesen Beruf kein Leben lang machen würde. Er orientierte sich neu und entschied Verwaltungswirt werden zu wollen. Ende März 1965 schloss er die Ausbildung als Diplomverwaltungswirt (FH) an der Staatlichen Verwaltungsschule in Haigerloch erfolgreich ab. Doch auch eine „normale“ Beamtenlaufbahn sollte es nicht werden.
 
Bereits am 23. Oktober 1966 bewarb er sich als Bürgermeister von Rommelsbach und wurde gleich im ersten Wahlgang unter drei Bewerbern gewählt. Nach der Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinde Rommelsbach in die Stadt Reutlingen im Zuge der landesweiten Gemeindereform erfolgte im April 1974 seine direkte Wahl zum hauptamtlichen Direktor des Regionalverbands Neckar-Alb. In seiner damaligen Funktion setzte er sich erfolgreich auch für den Bau einer Sonderschule für Körperhinderte in Mössingen ein. Heute ist die KBF der größte Arbeitgeber in der Stadt.
 
Am 7. März 1982 bewarb er sich schließlich als Bürgermeister der Stadt Mössingen, wurde auch hier sofort gewählt und trat sein Amt als Nachfolger von Erwin Kölle zum 1. Juni 1982 an. Am 11. März 1990 erfolgte seine Wiederwahl zum Bürgermeister in Mössingen. Während seiner Bürgermeistertätigkeit war er von 1987 bis 1998 außerdem Vorsitzender des Zweckverbands Steinlachwasserversorgung und Stellvertretender Vorsitzender im Abwasserverband Steinlach-Wiesaz. Mit dem Ende der zweiten Amtszeit verzichtete er zum Bedauern vieler auf eine erneute Bürgermeister-Kandidatur und wurde somit am 19. Mai 1998 feierlich als Stadtoberhaupt verabschiedet.
 
In seine Amtszeit fielen u. a. die Einweihung der Steinlachhalle, die umfassende Renovierung des Talheimer Rathauses, der Bau der beispielhaften Altenwohnanlage „Haus an der Steinlach“, die Erweiterung des Quenstedt-Gymnasiums mit dem Bau der Aula, der Neubau der Jahnhalle II, die Verabschiedung einer weitreichenden Verkehrskonzeption für die Stadt mit Optionierung des Nordrings und die Entwicklung der Öschinger Ortsmitte. Hans Auer nahm stets alle Generationen mit. So hat er auch den Neubau des Kindergartens "Stettiner Straße" initiiert, die Gründung der Mütterzentrums intensiv begleitet, den Bau des Jugendhauses M auf den Weg gebracht sowie bis zuletzt die Geschicke der Kurklinik Bad Sebastiansweiler im Aufsichtsrat, Beirat und im Förderverein begleitet.
 
An Ruhestand dachte Hans Auer auch nach seinem Verzicht auf das Bürgermeisteramt noch lange nicht. Vom 1999 bis 2009 arbeitete er als nebenamtlicher Zweiter Geschäftsführer der Kreisbaugesellschaft Tübingen.
 
Begleitend blieb – wie schon in den Jahren zuvor – sein breites ehrenamtliches Engagement. So setzte er sich weiterhin in der Freien-Wähler-Fraktion für die Belange der Stadt und Region im Tübinger Kreistag ein. Erst 2019 hat er nach 35-jähriger Zugehörigkeit zum Kreistag sein Mandat niedergelegt. Vom Dezember 1984 – 1999 war Hans Auer auch ehrenamtliches Mitglied der Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb. Viele Jahre war er außerdem Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Tübingen.
 
Bereits 1985 knüpfte Hans Auer Kontakte zum französischen Kanton St. Julien-en-Genevois und unterzeichnete schließlich am 13. Januar 1990 gemeinsam mit dem damaligen Kantonspräsident André Duval die Partnerschaftsurkunde zwischen dem Kanton Saint-Julien-en-Genevois und der Stadt Mössingen. Seit der Gründung am 16. Juni 1999 war Hans Auer auch aktives Mitglied im Partnerschaftskomitee Mössingen, denn die Städtepartnerschaft war ihm, als überzeugtem Europäer, stets eine Herzensangelegenheit.
 
Über seine Amtszeit als Bürgermeister hinaus waren Auer auch die Belange der Mössinger Feuerwehr wichtig. Die Entwicklung der Wehr prägte und gestaltete er im Amt maßgeblich mit. So gründete die Feuerwehr Mössingen im Jahr 1987 die Jugendfeuerwehr. Im Jahr 1993 feierte die Feuerwehr Mössingen ihr 125-jähriges Bestehen sowie die 25-jährige Freundschaft mit der Feuerwehr aus dem französischen Beaugency, zu der auch er maßgeblich beigetragen hatte. 1998 wurde er zum Ehrenmitglied der Feuerwehr ernannt.
 
Darüber hinaus war Auer auch in vielen anderen Vereinen aktiv oder fördernd tätig. Für seine bleibenden Verdienste verlieh ihm die Stadt anlässlich seines 70. Geburtstags im Jahr 2009 die Ehrenbürgerwürde und damit ihre höchste Anerkennung.
 
Die Stadtverwaltung trauert um einen fürsorglichen Vorgesetzten, der bei seinen damaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr beliebt war und geschätzt wurde. Mit seiner Bescheidenheit, seinem Fleiß und steten Humor war er ein Vorbild.
 
Hans Auer hat sich bis zuletzt sehr aktiv für das Gemeinwohl engagiert. Er hatte die Gabe, dass er auf Menschen aller Art zugehen und mit seiner freundlichen, ganz eigenen Art sein Gegenüber überzeugen konnte. Er war auch dadurch hoch geschätzt und beliebt.
 
Er bleibt ein Vorbild herausragenden beruflichen, politischen und bürgerschaftlichen Engagements. In Dankbarkeit gedenken wir seiner Lebensleistung und all dem was er auf vielerlei Art für unsere Stadt und ihre Menschen getan hat, ohne darum großes Aufheben zu machen.

Wir haben Hans Auer viel zu verdanken und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Familie.
 
Für die Stadt Mössingen, den Gemeinderat und die Stadtverwaltung
Michael Bulander, Oberbürgermeister


(Foto: Foto-Studio Schlotterer)

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