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Der erste Mössinger Markt der Möglichkeiten zeigt die Vielfalt im Ehrenamt


Die Journalistin und Autorin Liane von Droste unternahm für uns einen Rundgang über den ersten Markt der Möglichkeiten in Mössingen und schreibt hier über ihre Eindrücke, über Gespräche und über „Frischlinge“ und alte Hasen im Ehrenamt. Was sie gehört und erfahren hat, ist so bunt und vielfältig wie das Markttreiben selbst es war.
 
„Mama, wann gehen wir wieder zum Streuobst?“ Gergana Georgievas vierjähriger Sohn ist begeistert vom neuen Einsatzfeld seiner Mutter. Diesen Sommer hat die junge Mössingerin sich zum ersten Mal aktiv beteiligt beim Angebot des Netzwerks Streuobst im Kinderferienprogramm. Sie findet es „toll, wenn Kinder damit aufwachsen, dass es das gibt“. Georgieva hat im Internet recherchiert, ist über die Webseite des Landratsamtes Tübingen auf das Angebot des Netzwerks Streuobst in ihrem Wohnort gestoßen. Sie findet es ganz selbstverständlich, beim Markt der Möglichkeiten für „ihren“ Verein am Infostand dessen Angebot vorzustellen. Neues dazu lernen, Leute ansprechen und gerade auch Kinder zum Mitmachen anzuregen, macht ihr Freude.

Rund 150 Vereine, Gruppen und Institutionen stehen auf der Kontaktliste der Stadt, freut sich Oberbürgermeister Michael Bulander in seiner Begrüßungsansprache. 30 dieser Organisationen  haben beim ersten Markt der Möglichkeiten am Sonntag, 22. September, auf dem Löwenstein-Platz und in der Pausa-Tonnenhalle die Möglichkeit genutzt, sich und ihre Arbeit vorzustellen. „Es ist ein richtiger Markt, eine Vielfalt und ein Wuseln“, sagt auch Barbara Schott. Sie ist die verantwortliche Ansprechpartnerin für bürgerschaftliches Engagement bei der Stadt Mössingen – und begeistert von dem Schwung, mit dem beispielsweise schon am frühen Sonntagmorgen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr mitangepackt haben beim Aufstellen der Stühle, Tische und Stände, noch bevor sie ihren eindrucksvollen Fuhrpark auf dem Markt präsentierten. Schotts Dank gilt aber auch der Unterstützung der Mitarbeiter des Bauhofs, der Stadtwerke und dem städtischen Hausmeister Andreas Zajonz, ohne die das alles nicht zu stemmen gewesen wäre.

Ein Jahr lang hat Schott diesen ersten Markt der Möglichkeiten vorbereitet, gemeinsam mit einem Organisationsteam, das so bunt war wie am Ende das Angebot, das zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus dem ganzen Steinlachtal lockte. „Bei unseren Vorbereitungstreffen war manchmal die Zusammensetzung der Helfer zu Beginn ganz anders als an deren Ende, aber ich finde es toll, was dabei herausgekommen ist“, sagt Schott lachend. In ihrer kurzen Rede lädt sie zum Auftaktworkshop ein mit Annedore Beck, Gemeindeberaterin und Coach, zum Thema „Welches Ehrenamt passt zu mir?“.

Schwung mit Jazz und Schnupper-Walken


Das Saxophonensemble der Jugendmusikschule Steinlach unter der Leitung von Michael Koch sorgt mit Stücken wie „Puttin‘ on the Ritz“ von Irving Berlin, „The Entertainer“ und „Pink Panther“ von Henri Mancini für einen muntere Einstimmung. Das Begleitprogramm bietet Anreiz und Wissen:  Tanja Vo-Van informiert über städtische Fördermöglichkeiten für Jugendprojekte, die Sportvereinigung lädt zur Schnupperrunde „Nordic Walking“ ein und im Abschlussworkshop gibt  Alexander Ries von der Volkshochschule Tübingen Tipps, wie sich Ehrenamtliche gewinnen lassen mit „Instagram und Co“, also über die sozialen Medien im Internet.
„Ich hab noch einige Jahre bis zur Rente und arbeite im Moment nur vormittags. Da bin ich neugierig und möchte hier schauen, wo ich mich in der übrigen Zeit vielleicht einbringen kann“, sagt eine der Besucherinnen. Die Auswahl ist groß, sie reicht von den evangelischen und katholischen  Kirchengemeinden, Schulfördervereine, Dolmetscher-Netzwerk, DLRG, CVJM, Ceres, Mütterzentrum, Bürgerstiftung, Bürger für Bästenhardt, Naturfreunde,   Steinlachtaler Fasnachtsverein, Tafel, Diakonie- und Sozialstation, Haus an der Steinlach oder Hospizarbeit, Arbeit in Selbsthilfe, das Jugendprojekt „trink:bar“.
 
Die Gelegenheit, „mit der ganz eigenen Brille über den Markt zu gehen“, wie Schott es zum Start formulierte, lassen sich viele nicht entgehen. Schlendern, miteinander reden, in Prospekten und Aushängen auf den oft phantasievoll gestalteten Stellwänden schmökern – in der Tonnenhalle und auf dem Löwensteinplatz herrscht angeregtes Treiben. Das trockene Spätsommerwetter trägt das Seine zum Gelingen bei.

Im dritten Jahr aktiv dabei – mit 13


„Ich bin jetzt das dritte Jahr aktiv dabei“, sagt Ben Schweikert. Kennengelernt hat der Schüler das Spatzennest schon als Kind. Jetzt gehört er mit seinen 13 Jahren schon zu den Helfern. Was er leicht schnoddrig „Kinder bespaßen“ nennt, ist für ihn genau das: Das phantasievolle, jährliche Camp am Albhang oberhalb von Mössingen macht ihm Freude. Nahtlos ist er reingewachsen von der Teilnahme ins Mitmachen.
Das sommerliche Kinderprogramm für Sechs- bis Zwölfjährige auf der Olgahöhe gibt es seit rund  dreißig Jahren. Veranstalter ist das Jugendforum Oberes Steinlachtal. Thomas Kittel, einer der Organisatoren und „Hausmeister“ in den zwei Wochen Spatzennest auf der Olgahöhe, berichtet von 180 Mädchen und Jungen in diesem Jahr. Ohne rund „50 bis 80 ehrenamtliche Helfer“ ist das nicht zu stemmen. Neue sind immer willkommen.
Was tut ein Hausmeister beim Spatzennest? Kittel lacht: „Rund 1.000 Liter Wasser pro Tag, Getränke für Alle und Bastelmaterial dort rauf schaffen, einkaufen und in der Küche auch mal eine Gasflasche austauschen.“ Einen neuen Mitstreiter für den Sommer 2020 haben Ben Schweikert und Thomas Kittel wohl schon gefunden: Am Stand des Jugendforums hat sich Arturs Viksna eingefunden. Der 15-Jährige hat über Ben vom Spatzennest gehört und findet es gut, dabei mitzuhelfen. Mit Kindern umgehen? Kein Problem für ihn: „Ich habe zwei kleinere Geschwister. Die streiten sich auch ab und zu. Das ist für mich nichts Neues“, grinst Arturs.

„Es reizt mich, neue Wege zu gehen“


Draußen auf dem Löwenstein-Platz wirbt derweil das Technische Hilfswerk Ofterdingen unter anderem mit dem Begriff „Familientreffen“ für sich. Ein Knirps sitzt stolz wie Bolle auf dem Fahrersitz eines großen Einsatzfahrzeugs und kann kaum über das große Lenkrad blicken: „Ich bin ein THW-Fahrer! Kannst Du mir mal das Funkgerät rübergeben?“  Für den nächsten Info-Abend am 1. Oktober, 19 Uhr, in der THW-Unterkunft Haidschwärze, Ofterdingen, ist er zwar noch zu klein, aber in ein paar Jahren, mit zehn, können ihn seine Eltern schon für die THW-Jugend anmelden. An der für alle THW-Aktiven verbindlichen Grundausbildung kann er dann mit 16 oder 17 teilnehmen und, wenn er diese absolviert und seine „Einsatzbefähigung“ erlangt hat, steht seiner Teilnahme an einem der Einsätze des Ortsverbands nichts mehr im Wege.
Offen ist das THW Ofterdingen übrigens auch für Mädchen und Frauen. Cornelia Rosenkranz ist seit mehr als drei  Jahren dabei. „Es reizt mich, neue Wege zu gehen; Dinge zu machen, die ich mir zunächst nicht zugetraut habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Trennschleifer in der Hand haben werde“, erzählt die 36-Jährige lachend. Technisches Grundverständnis mitzubringen, schadet nichts, ist aber nicht zwingend. Wie für Rosenkranz ist auch für Johannes Nill der Zusammenhalt, die Gemeinschaft, wichtig. Der 25-Jährige ist seit eineinhalb Jahren beim THW: „Ich komme gern. Es macht mich glücklich, anderen Menschen helfen zu können.“
 
Eine Pause vom Einsatz macht gegenüber im „Café Pausa“ derweil Rösi Krautter. Die 71-Jährige ist, wo auch sonst, bei der Arbeit für „ihr“ Rotes Kreuz. Die Feldküche des DRK-Ortsverbands Mössingen ist gleich nebenan und bietet „Pizza-Eintopf“, Pommes und Getränke zum Verkauf. Rösi Krautter hat sich zum Spüldienst gemeldet. 1965, mit 16 Jahren hat sie angefangen, ehrenamtlich für das DRK zu arbeiten. Inzwischen ist sie 54 Jahre aktiv dabei. 44 Jahre lang ist sie verantwortlich aktiv beim „DRK-Club der Junggebliebenen“ und hat viele Jahre lang die Organisation der Blutspendeaktionen des Ortsverbands geleitet und organisiert.
Nur zu Besuch kommt an diesem Sonntag ein anderer „alter Hase“ in der bunten und vielfältigen  Mössinger Ehrenamtslandschaft: Otto Belser, 88 Jahre alt, wohnt nicht weit entfernt und freut sich über das bunte Leben an seinem alten Wirkungsort: Viele Jahre hat er hier gearbeitet in der Pausa. Seine Ehrenämter aufzuzählen, allen voran als Vertreter der SPD im Stadtrat, würde hier den Rahmen sprengen. „Ich habe sie nicht gezählt, aber ich glaube es sind immer noch mindestens zehn Vereine und Verbände, in denen ich Mitglied bin“, sagt er nachdenklich.

Essen weitergeben statt wegwerfen


Für ein ganz neues Angebot  im Ehrenamtsfeld stehen Annika Mader, Andreas Fickenwirth und Carolyn Strassner am Stand von „Foodsharing“ gleich neben dem Eingang der Tonnenhalle. Rund 50 Aktive sind dazugekommen, seit die Gomaringerin Annika Mader und ihre Mitstreiterin Tanja Bernhardt die Initiative 2017 zunächst in Tübingen auf den Weg gebracht haben. Inzwischen setzen sie sich als Verein unter dem Namen „Foodsharing Mössingen“ dafür ein, dass weniger Lebensmittel weggeworfen und stattdessen mit anderen geteilt werden. Das Netzwerk, dessen Kommunikation vor allem über das Internet läuft, ist ganz lokal aufgestellt und auch hier ist man offen für Leute, die mitmachen.
Andreas Fickenwirth macht fast alle Strecken für „foodsharing“ von Gomaringen aus mit dem Rad und freut sich, dass er auf diesem Weg ab und zu auch mal an eine Schüssel Kartoffelsalat oder an Gemüse kommt, das er noch nicht kennt: Die asiatische Kohlsorte Pakchoi zum Beispiel findet der 48-Jährige lecker. Als Konkurrenz zur Mössinger Tafel sehen sich die ehrenamtlichen Essens(ver)teiler nicht. Viel laufe über Privatleute und ansonsten:  „Wir kommen n a c h  der Tafel zu den Betrieben“, betont Carolyn Strassner. Für die Mitgründerin Annika Mader ist der Umweltgedanke besonders wichtig – und dieser motiviert offenbar auch schon die ganz Kleinen: „Mein fünfjähriger Sohn ist begeistert davon. Er sagt ganz oft: ‚Mama, gehen wir wieder zum Foodsharing?‘ “
 
Die Broschüre mit Details und Ansprechpartnern zu allen Einrichtungen, die beim Markt der Möglichkeiten mitgemacht haben können Sie als pdf herunterladen und im Foyer des Rathauses und beim Bürgerbüro abholen.

Broschüre


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